Tomate

TOMP-API-Orientierte Mobilitätsintegration: Analyse, Tests und Empfehlungen

 

Das Projekt TOMATE verfolgt das Ziel, digitale Integration von Mobilitätsdiensten in Österreich voran­zu­treiben. Ausgangspunkt ist die Ausschreibung des Klima- und Energiefonds im Rahmen des Programms „Digitale Transformation in der Mobilität“. Der Schwerpunkt 1.6 fordert die „Erarbeitung von Grundlagen für die Harmonisierung integrierter, multimodaler Mobilitätsdienste und die Ableitung von Umsetzungsempfehlungen für die Nutzung der TOMP-API“. Damit soll die Buchbarkeit von Sharing- & On-Demand-Angeboten und weitere ergänzenden Mobilitäts­dienst­leistungen über Plattformen erleichtert werden – jenseits der bisherigen „Single-App-Logik“.

Hintergrund & Herausforderungen

Die europäische Ebene setzt klare Rahmenbedingungen: Die IVS-Richtlinie 2010/40/EU und die de­le­gierte Verordnung (EU) 2017/1926 verpflichten zur Bereitstellung maschinenlesbarer Daten für multimodale Reiseinformationsdienste. Zudem verfolgt die Europäische Union (EU) mit dem Mobilitätsdatenraum (EMDS) und dem Data Spaces Blueprint das Ziel, Interoperabilität und Datensouveränität sicher­zu­stellen. Diese Vorgaben sind für Österreich relevant, um Anschlussfähigkeit und Skalierbarkeit zu gewährleisten.

Technische Schnittstellen verursachen hohe Implementierungs- und Wartungskosten. Proprie­täre Lösungen sind derzeit Standard und „Plug & Play“ ist nach derzeitiger Einschätzung der Mobility Provider (MP = Vermittler:in von Mobilitätsangeboten, ermöglicht multimodale Buchungen) kaum realistisch. Ein Standard wie TOMP-API ist nur dann sinnvoll, wenn er sich langfristig etabliert und für zukünftige Bedarfe anpassbar bleibt. Dies setzt die Adressierung der gesamten Wert­schöpfungsketten bei Transport Operator (TO = Erbringer:in der Mobilitätsdienstleistung) und MP voraus, speziell die dahinterliegenden wirtschaftlichen Kal­­küle und Geschäftsmodelle. Etwaige Handlungsempfehlungen für Strategien, Governance und (zusätzlichen) Rollen (wie z.B. technisch-organisatorische Aggregatoren) im Mobilitätssektor wer­den in TOMATE erarbeitet. Die alternative Möglichkeit zu einer Empfehlung von TOMP ist auf be­stehende (dienst­leistungs­spezifische) Standards wie GBFS oder SIRI aufzubauen und diese gegebenenfalls zu erweitern.

Konsortium & Ziele

Das Konsortium – bestehend aus wissenschaftlicher Begleitung durch tbw research GesmbH (Leitung) und Grazer Energieagentur GmbH, den MP wegfinder (iMobility GmbH) und WienMobil (Wiener Linien GmbH & Co KG) sowie den TO Österreichische Postbus AG (On-Demand) und WIPARK Garagen GmbH (Park­platzreservierung / -buchung) und dem carsharing.link (Klimabündnis) als Aggre­gator für Car­sharing – möchte aktiv an der Entwicklung eines tragfähigen Integrations­standards für Österreich mitwirken. Dieser kann die, seitens EU vorgeschlagene, TOMP-API sein oder eine ge­zielte Erwei­terung bestehender Schnittstellen.

Das Konsortium wendet einen anwendungs­orien­tierten Ansatz an: (1) Erfahrungen sammeln (Analyse und Tests), (2) Erfolgs­faktoren identifizieren und (3) Empfehlungen ableiten, um eine etablierte Vorgangs­weise für die Integration von Sharing, Park­platz­reservierungen (u.a. P&R) & On-Demand Services in Österreich zu realisieren.

 

Übergeordnetes Ziel des Projekts ist die Erstellung eines österreichspezifischen Umsetzungs­plans und bislang fehlender dedizierter Aggregator-Rollen (organisatorisch bzw. technisch in Form von API-Adaptern (ein Adapter, der die Interaktion mit einer externen API vereinfacht. Komplexe API-Aufrufe werden in einfache, sprachspezifische Funktionen umwandelt und damit die Code-Lesbarkeit erhöht.)) zur signifikanten Erleichterung digitaler Integration von Sharing-, Parking- und On-Demand-Diensten in multimodale Mobilitätsplattformen. Dazu gehören Hand­lungs­empfehlungen, Pilotumsetzungen, Kostenschätzungen und ein Nachweis des Mehrwerts für Nutzer:innen und Umweltverbund. Die steigende, einfachere Auffindbarkeit und Buchbarkeit ÖV-ergänzender Mobilitätsangeboten in multimodalen Plattformen soll in weiterer Folge einen Beitrag zu den Klimazielen leisten (z.B. verändertes Mobilitätsverhalten, Emissionsreduktion).

Die Teilziele umfassen:

  1. Analyse Anforderungen und Gaps: Erhebung der funktionalen, technischen sowie wirtschaftlichen und organisatorischen Anforderungen der involvierten Mobilitäts­plattformen, Transportdienstleistern und des Carsharing-Aggregators, Abgleich mit TOMP-API und bestehenden nationalen und internationalen Standards (z.B. GBFS).
  2. Pilotintegration: Differenzierte Umsetzung von drei praxisnahen Piloten: On-Demand-Verkehre (Postbus) und Parkplatz-Reser­vierung & -Buchung (WIPARK) in je einer bestehenden Plattform (Wien Mobil & wegfinder) sowie Roaming im Carsharing (carsharing.link als Aggregator / TOMP-Gateway).
  3. Entwicklung von API-Adaptern: Erstellung von Adaptern zwischen proprietären Schnittstellen (TO, MP und Aggregator) und TOMP-API, inklusive Doku­mentation und Nachnutzbar­keit der zentralen Erkenntnisse für MP, TO und Aggregatoren.
  4. Stakeholder-Einbindung: Fortlaufender Austausch der Erkenntnisse mit der Arbeits­gruppe MDMS, gezielte Einbindung von Stakeholder:innen zu konkreten Herausforderungen (bestehende, eingebundene TO, österreichische und internationale MP) – Wissenstransfer von Erfahrungen und Herausforderungen (Interviews/Workshops).
  5. Kosten-Nutzen-Analyse: Bewertung der Aufwände und des Mehrwerts (Änderung Mo­bi­litätsverhalten / Verlagerung, Emissionsreduktionen, etc.) für unterschiedliche Ak­teure sowie Vergleich mit alternativen Ansätzen unter Einbeziehung von Indikatoren zu Gleich­stellungsaspekten (Versorgungssicherheit, nachhaltige Wertschöpfungsketten, etc.)
  6. Umsetzungsplan und Guidance: Erstellung einer Roadmap mit Optionen, Entscheidungs­logik und Berücksichtigung nationaler und europäischer „state of consultations“ und etwaiger Vorgaben.

Die Ergebnisse des Projekts sollen als Referenzpunkt für Österreich dienen, um die Debatte um TOMP als möglichen API-Standard für (1) TO-MP-Integrationen, (2) Ausschreibungsauflagen der öffentlichen Hand von digitalisierten TO, (3) nationale und europäische Vorgaben zur Durch­buch­barkeit multimodaler Wegeketten, u.v.m. zu versachlichen und eine fundierte Entscheidungs­grundlage für zukünftige Integrations­strategien von Bund, Ländern, Verkehrsverbünden und MP zu schaffen. Neben den Piloten wird ein Toolkit für Schnittstellenkonvertierung sowie umfassende Handlungs­empfehlungen bereit­gestellt, die für Dritte nachnutzbar sind.

Projektpartner

tbw research GesmbH
iMobility GmbH
Wiener Linien GmbH & Co KG
Klimabündnis Österreich
Österreichische Postbus AG
WIPARK Garagen GmbH
carsharing.link